Durch Vermont und Big City Life

Als hätten wir es nicht gewusst, als würde es nicht jeder wissen: Campen und Big City Life können nicht zusammen. Wir sind schon in Québec in diese Falle getappt, und weil etwas draus lernen sowieso bieder wäre, haben wir gerade noch einen nachgelegt. Aber natürlich variantenreich: Montréal haben wir es von der Autobahn aus gegeben, in bravem Wetter. Philadelphia haben wir uns mit Rentnern in einer Rentnertour gegeben – dank den grossartigen Rentnern aus Illinois, dem Ron und der Janet, wurde dies eine Erfolgsgeschichte. Dann eine Strassentour durch die NO-GO Areas von Baltimore, und das sind ihrer etwa 80% der Stadt, wir blieben unberaubt und unbeschadet. Schliesslich haben wir Washington mit Rudolpfan befahren. Diese Stadt ist vornehm, aber während man in Baltimore überall parken kann, sich dies aber wegen der Crackheads nicht getraut, würde man sich das in Washington überall getrauen, allerdings fürchtet man hier dann jene Cops, die in dicken schwarzen SUVs unterwegs sind, und weil nirgends niemand parkt, wirken diese dann auch noch umso einschüchternder. Also konnten wir heute das komplette Eintauchen in US-Kultur demonstrieren: Drive Through – Tourismus. Eben auch eine Variante.

Doch in der ganzen Big City Life Problematik gibt es eine Riesenausnahme: Burlington Vermont. Es ist ja eine altbekannte Wahrheit, dass ein Ort, von dem man beim ersten, nota bene ungeplanten, Besuch, völlig begeistert ist, bei einem zweiten, geplanten, Besuch eine totale Enttäuschung ist. Nicht diese Perle der Perlen Neuenglands: Bei unserem ersten Besuch noch schüchtern ein bisschen mampfen, Bier trinken, Musik hören, weiterfahren, bekamen wir diesmal beinahe die volle Dröhnung: Sandstrand, Campingplatz in Rollbrett-Distanz, Bierkonsum, Besuch im Mutterschiff von Burton, Musik, Rollbrett an der  Seepromenade, T-Bone Steak und Bolo… Und dann der Gipfel: Einen dorthin ausgesiedelten Einsiedler getroffen. Also kein Eremit, ein Mensch aus Einsiedeln, Zentralschweiz. Es lässt sich dort also auch für Ausländer leben. John Deere ist übrigens aus Burlington. Und Vermont hat die grösste Dichte an Micro Breweries. Eben sagenhaft.

Weil bis hier dieser Text irgendwie orthodox daherkommt, müssen wir jetzt zu Anekdoten aus dem Ferienmachen greifen, und das Terrain des Berichtens vom Reisen verlassen.

Wie jeder aufgeklärte Zentraleuropäer des 20. Jahrhunderts, reisen auch wir nicht ohne geschriebenen und gedruckten Reiseführer. Wohlgemerkt, 20. Jahrhundert. Der Reisende dieses Jahrhunderts reist mit einer Box voller sogenannter Apps, dies sieht übrigens auch den Autochthonen ähnlich, die immer eine Kühlbox dabeihaben. Allerdings passt des Reisenden «Kühlbox» fast in eine Hosentasche, aber eben nur fast, drum muss er sie immer herumtragen. Dies hilft eine weitere Wirkung des Eintauchens in Kulturen zu erzeugen: Weil der Homo americanus norensis immer mindestens ein Ding herumträgt, wirkt der aufgeklärte Tourist des einundzwanzigsten Jahrhunderts, der seine Box voller Apps in der Hand herumträgt, eben irgendwie bestens assimiliert. Aber eben wir. Wir haben dieses Werk aus der Vergangenheit. Den «Hitchhiker’s Guide to the Galaxy». Den einzig wahren Reiseführer. Daraus eine wichtige Information: Ein intergalaktischer Reisender sollte immer ein Handtuch dabeihaben. Der Gründe sind viele, und diese sind hochgradig komplex, daher belassen wir es dabei. Die Analogie zu intergalaktischen Reisenden sind in diesem Artikel interregional reisende Glarner. Ich bin mit solchen verwandt, für jene, die jetzt den Link noch nicht sehen. Solche interregional reisende Glarner nehmen dann immer, nicht aufgrund einer Richtlinie aus einem Reiseführer, sondern völlig instinktiv, ein «Zigerschtöggli» mit. Auch diese Gründe erschliessen sich dem gewöhnlichen Erdling nicht ohne Unterstützung. Deshalb dies: Ähnlich wie der Ire eine Schwäche für Alkoholika und Festereien hat, so kann der Glarner keine zwei Tage ohne seine präferierte Mahlzeit verbringen, die ausserhalb seines Herkunftsgebietes eher unbekannten «Zigerhöräli». Eine Art Maccaroni, die gekrümmt auf den Teller kommen und dann mit dem geschabten Produkt des genannten «Zigerschtögglis» vermengt werden. Aber eigentlich erwähne ich hier die Glarner aus einem ganz anderen Grund, das ganze Gefasel dient eigentlich nur dem Kontext für den Leser, denn ansonsten kann er mit der folgenden Beobachtung aus der Fauna Nordamerikas nichts anfangen. Das häufigste Säugetier der Gegend ist nicht etwa der Elch oder die Giraffe, der Ochse oder Elefant, nein, es ist das ganz gewöhnliche Eichhörnchen. Die Namen variieren dafür, Chipmonk finde ich am witzigsten. Squirrel sagen sie auch noch. Aber uns interessiert nicht die englische Bezeichnung, sondern die Übersetzung. Und hier wurden die Glarner diskriminiert. Denn: Eines dieser Hörnchen ist so gestreift, im Prinzip getigert. Nun heisst das Streifenhörnchen. Was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! Denn eigentlich ist das ein «Tigerhöräli»!

Wie bei uns der Kantönligeischt, ist hier auch von Staat zu Staat alles anders. In Burlington (Vermont) ist Bier Kultur. Hier in Virginia ist Alkohol geradezu verboten (Campen ohne Bier, und sie kommen zu tausenden!, also, bei gutem Wetter und am Wochenende).

Noch eine kulturelle Ergänzung zum Campen, und dann bin ich wieder off, einfach auch, um in der Leserschaft nicht zu viel Schaden anzurichten. Campen ist hier nicht bloss eine Art, in den Ferien zu übernachten. Das ist hier Sport, Religion und Hobby zugleich. Man campt am Weekend. Auch schon mal blosse 10 Minuten von Zuhause weg, mutet schräg an, wenn man bedenkt, dass man mitunter zwei Stunden fährt, um arbeiten zu gehen. Diese Art, seine Zeit zu verbringen, erklärt dann auch die Dichte an SUVs und überdimensionierten Pick-ups. Der Pick-up ist praktisch, wegen dem Dreck, der bei üblem Wetter unweigerlich entsteht, einfach den Plunder raufwerfen und nach Hause. Der SUV erklärt sich, weil die Strassen und Pisten einfach häufig nach stabilem Fahrwerk, hohen Beinen und auch schon mal, sowie bei der gegenwärtigen Sündflut, nach Vierradantrieb schreien.

So dann, so long. Sie haben Thunderstorm angesagt. Müssen dann wohl in den Westen flüchten.

 

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1 Kommentar

  1. Also.
    1. Squirrel = Überbegriff. Chipmunk = Untergattung (Streifenhörnchen)
    2. Nach Washington / Baltimore und wieder retour obsi? NYC und Boston n‘ stuff?
    3. Always hang on to your towel!!
    “Space,” it says, “is big. Really big. You just won’t believe how vastly, hugely, mindbogglingly big it is. I mean, you may think it’s a long way down the road to the chemist’s, but that’s just peanuts to space.”

    And don’t forget, in USA, this might help too, if you have your hitchiker’s guide at hand:
    A common mistake that people make when trying to design something completely foolproof is to underestimate the ingenuity of complete fools.

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