Tennessee und so

Wohl meistens total vergessen, sicher aber immer unterschätzt, diese unschätzbare Perle der Vereinigten Staaten. Aber dazu später. Zuerst müssen mal wieder wichtige, aber vergessene allgemeine Bemerkungen bemerkt werden.

Dazu Punkt eins: Klischees. Zu Amerika gehören Drive-Thru – (schreibt sich hier wirklich so. Sie haben einen schrecklich praktischen Hang zur Phonetisierung ihrer Orthographie) Einrichtungen wie löchriger Käse zur Schweiz. Bis gestern dachte ich noch, ich hätte den absoluten Rekord dieser Institution mit dem Drive-Thru-Ballenberg gesehen, doch da wurden wir Lügen gestraft: Im Staat, den wir gestern erreicht haben, Arkansas, gibt es sogar Drive-Thru-Bettler! Das läuft dann so, dass du nichts ahnend durch die Gegend strolchst und ganz unter einem Male ein Wagen neben dir anhält und die übergewichtige, schlecht rasierte Dame, die ihn fährt, fragt «y got two dollars?» Naja, mit blieb die Kinnlade hängen. Aber neben dem Drive-Thru-Ballenberg ist die beste und total süsse Einrichtung dieser Art nicht etwa etwas Nützliches und Sinnvolles, wie die Drive-Thru-Apotheke oder der Drive-Thru-Bankomat, nein, es ist die Anlage die sich «Drive-Thru Cold Beer» nennt: Eine Drive-Thru Bar! Sagenhaft.

Nun, der erwähnte Drive-Thru-Ballenberg bringt uns zur zweiten allgemeinen Bemerkung. Die Geschichte der Extreme. Die Amerikaner fahren 70. Meilen. Das sind etwa 130 km/h. Immer. Überall. Alle. Mähdrescher und Traktoren, Rasenmäher Golfcarts eingeschlossen. Naja, nicht gerade, aber selbst die umherfahrenden Häuser, und damit meine ich nicht Riesentrailer und Lofts, sondern im Baumarkt (auch als Drive-Thru selbstverständlich) bestellte fertige Häuser, die als «Oversize Load» durchs Land fahren, haben diese 70 Meilen drauf, wenn es nicht gerade allzu Stotzig opsi geht. Nun haben wir diese 70-fahr-Kultur. Dann, im Drive-Thru-Ballenberg, sie nennen das dann «scenic loop», mit uralten, so siebzig jährigen, nicht mehr benützten Häusern drin, Schritttempo. Ohne Quatsch. Und das «don’t idle» Schild wird genauso ignoriert, wie die 25 Meilen Vorschriften innerorts. So sind sie halt, entweder oder.

Vorhin, vielleicht wurde es bemerkt, stand da Golfcarts. Der Bedarf an diesen Geräten hier ist bestialisch. Jeder Campingwart bewegt sich mit dem auf dem Campingplatz herum. Aber nicht nur. Diese Dinger werden schon Mal zu Dutzenden auf Camionen durch das Land gefahren. Logisch, die sind notwendig: Um die Post zu holen! Denn auf einem durchschnittlichen Anwesen geht es schon mal 50, oder auch Mal 500 Meter über Land bis zum Briefkasten. Und man darf, zumindest im Spass-Staat Tennessee diese Dinger auch betrunken fahren. So scheint es zumindest. Aber Regeln und effektives Benehmen stehen in dieser Gegend nicht selten in frappantem Widerspruch zueinander.

Dann die Grenzformalitäten. Erwartet hätten wir Komedi wegen der Versicherungen, der Papiere, den Drogen, you name it. Aber was hat den guten (wirklich guten!) Zöllner an unseren Importgegenständen gestört? Richtig, die Tomaten und die Peperoni. Logisch, ich meine, die Wirtschaft würde zu Grunde gehen, wenn da jeder Spanische Paprika aus Kanada mitnehmen könnte, wo kämen wir denn da hin? Und selbstverständlich Schaf- und Ziegenfleisch. Hatten wir glücklicherweise nicht dabei.

Und jetzt zum langweiligen, Postkartenteil. Tennessee. Böse Zungen würden sagen, wir wären Fan, weil wir vorher gefühlte vier Monate im Virginia-Maryland-Nebel und dem Pennsylvania-Regen gesteckt hatten. Möglich, aber unwahrscheinlich. Man muss sich diesen Staat zuerst mal vorstellen: Eine Art Toscana, ohne die alten Städtchen, versteht sich, aber so schön sonnig, warm, hügelig, Wäldchen, mediterrane Gerüche, die Nonna am Herd… Dann vermenge man dieses Bild mit den Chrächen und Strassen durchs Entlebuch und lege über das ganze die Ponyhofromantik vom Jura. Am besten nehme man, um der Fantasie alle Schwierigkeiten zu nehmen, die Gegend von Saignelegier, wegen der Bierbrauerei. Denn Bierbrauen tun sie auch noch. Und um dieses Bild abzurunden mische man eine Prise Wildwestromantik und eine andere Prise Wildwestkitsch dazu. Das ist Tennessee. Natürlich noch ohne die Bewohner und ihre Attitüde zum Alltag, diese würde suggerieren, dass sie ein Partnerschaftsabkommen mit Bhutan haben: Hier wird nämlich ein Königreich der Glückseligkeit angestrebt. Offen zu ersehen in der Tatsache, dass es an jedem Tankstellenshpo billiges Craftbeer gibt. Wir haben uns die «Raging Bitch» gegeben, und so ein Probierding von «Trouble Brewings», die machen ein Kater-Ale. Und dann noch Tennessee Brew Works. Die machen sogar Berliner Weisse. Und Weissbier belgischer Art. Und weiss nicht was alles noch, schliesslich muss ich hin und wieder fahren. Dann ist in diesem Tennessee auch Nashville. Das ist so eine Art Gurtenfestival ohne Bernerjetset: 24-7 on a 365 Party. Das einzig unschöne an dieser Einrichtung ist die Tatsache, dass das Bier dann im Plastikbecher kommt (aber natürlich immer noch Craftbeer bleibt). Der Campingplatz war übervoll. Aber kein Problem: «We will find a cosy spot for y, we want ys to be happy!” Also. Ich dann gefragt, ob den irgendwas grossartiges los sei.

«This is Nashville Baby! There is always something great going on!”

Und so war es den auch. In jeder Bar, um 10 Uhr morgens, Life music. Und solider Rock’n’Roll. Auf den Dachterrassen dann eher DJ-Spass. Das Publikum: Hauptsächlich betrunkene, so dreissigjährige Hühner, am Hens-night feiern.

Das beste am Weltreisen ist die Tatsache, dass man allen Plunder mit sich herumführen muss, also kauft man nicht jeden Müll, nach dem einen gelüstet. So habe ich weder einen Ggoboyhut noch Ggoboystiefel gekauft, aber, Jesus, sehe ich gut aus mit Bart, Sonnenbrille und einem Ggoboyhut! Denn, Verchleiderlis spielen verbietet dir niemand.

Nun, nach diesem soooooooooooo herzlichen Empfang, und der soooooooooooo guten Zeit in Nashville, ist das ballenbergige Memphis geradezu öde. Natürlich neat, wie es sich gehört, ein bisschen Elvis, viel BB King und Martin Luther King Jr natürlich auch. Aber nach Nashville? Naja, dann ist Beale Street so bürgerlich und kaum Party, wie die Reeperbahn.

Was bleibt noch zu sagen? Nach Tennessee ist dieses Arkansas ein bisschen trocken. Aber, das Volk ist immer noch total witzig.

Und zu guter letzt: Ralph: „Yiiiehh-haaaa!“ und Denise „Yippiaiyeah!“

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