A Hippie Machine’s Sex Appeal

Ich habe von früh an darunter gelitten, rotes Haar zu haben. Später, nicht viel, so 20 Jahre, dann darunter, dass selbst dieses allzu schnell auszugehen drohte. Und mit den blauen Augen war es bereits vorbei, als die ersten jener erwähnten Haare zu wachsen begannen. In anderen Worten: Mit den ursprünglichen Basisattributen dessen, was für ein zentraleuropäisches Männlein als sexy gilt, war ich nie gesegnet. Diese Grundlage ist entscheidend dafür, zu verstehen, wie unglaublich neu für mich die Erfahrung ist, einfach gut auszusehen. Denn genau das tun wir, also nicht wir, sondern Rudolpfan. Unser Auto ist sexy. Und somit Garant für gute Stimmung, positiv gesonnene Menschen und Beamte, ein sicheres Weiterkommen. Er ist also ein Schlüssel, der uns Tür und Tor öffnet.

Kaum zu zählen sind jene Momente, in denen ein vorbeifahrender Ortsansässiger in einer Situation, in der unser am Fahrbahnrand unsauber abgestelltes Fahrzeug eher für Unmut denn für Freude sorgen sollte, so etwas in der Art «Cool Truck, Bro» oder «What a Van, Man» ruft. Die freudigen Winker, die Nachbarn an Lichtsignalen, die begeistert uns mit einer kleinen Prise Eifersucht erklären «now, that is a reaeaeaeaeaeal Hippie Machine» gehören mittlerweile einfach zum Alltag. Man gewöhnt sich dermassen leicht daran, beim Publikum gut anzukommen! Der VW-Bus, der einen halbwegs vertretbaren Rasenmähermotor hat, also, in den Verhältnissen dieser hiesigen Örtlichkeiten, hat gewiss seine Nachteile, von wegen Grösse, Power, Ausrüstung und so fort. Aber, wer tauscht schon gern allen möglichen Komfort, Geschwindigkeit und «Gäbig-keit» gegen das gewisse Etwas, das eben nur der hat, der es hat?

Nun, wie kommt es aber dazu, dass dieser «Flower Power Truck» dermassen gut ankommt, also ein so immenses Sexappeal besitzt? Mit Sicherheit sagen können wir das natürlich nicht. Aber im Folgenden werde ich einige Spekulationen zum Thema anstellen. Da ist zuerst einmal die Tatsache, dass er in seiner Kleinheit und seiner Erscheinung als Fremdkörper, der sich gegen die grossen behaupten muss, unweigerlich «süss» ist. Ergo muss er all jenen, die «süss» mögen, gefallen. So ein bisschen der Effekt der Katzenvideos auf Youtube. Und wer mag diese? Allen voran die kleinen Kinder. Diese sind dann auch immer unheimlich Fan. Und wenn sie nicht wissen, wie man unserem Fahrzeug sagt, denn das ist ja kein «Van» oder «Camper», weil eben putzig, dann erklären sie unser Vehikel (word by word translation) für wunderschön. Und natürlich auch alle Mädchen, in allen Alters- und Gewichtsklassen, die «süss», sowohl in der Nahrungskette als daneben, total gut finden, finden den Van dann auch toll, und bemerken «Especially the Tuning Details are just Great». Oder sie sagen mit grossen Augen und voller Staunen «I just love, love, love, love, looooooooooove thaaaaaaaaaaat».

Dann ist der T3, hier Vanagon, eine Rarität. Es gibt und gab schlicht und einfach nie viele davon. Und wir kennen diesen Effekt vom Gold oder vom Mond- und Marsstaub, was selten ist, ist teuer und drum cool. Oder es ist cool, ohne teuer zu sein, weil es nicht jeder hat, weil es eben nicht zum «been there and done that» gehört, weil eben nicht ein jeder es haben kann. Die Seltenheit macht eben sexy. Die Analogie zum Mulatten mit grünen Augen ist offensichtlich.

Die Farbgebeung haben wir vergessen. Sie wirkt bei beiden Gruppen mit. Aber am besten bei den Kleinen.

Dann ist Rudolpfan nicht alt, sondern klassisch. Alle «Car Boths» sind demzufolge einigermassen Fan. Bei dem gebrauchten Wort bin ich nicht ganz sicher. Sie sagen irgendwie so, es tönt so, aber der Dixer kennt es nicht. Und die Menschen hier, westlicher als im wilden Westen, auch nicht mehr. Aber ich fand es nett. Und hier gibt es viele von diesen Autofans, sie haben haufenweise Rennbahnen, Carshows, und sonst irgendwie geartete Autoevents. Für all diese Fanatiker ist ein solcher Klassiker natürlich auch ein Highlight. Und weil sie wissen, wie so Autos ticken, und selbst auch Arbeit mit ihnen haben, so haben sie auch grossen Respekt für jene, die sich mit solchen Geräten in wilde Abenteuer stürzen, selbst wenn besagte Abenteurer von diesen Abenteuern eher verfolgt werden, als diese selbst suchen.

Schliesslich sind jene nicht zu verachten, die in ihm die Hippie Romantik und einen Rest von Rock and Roll sehen. Also sind wir bei allen beliebt, die in irgend einer Form dieser Kunst, also dem Überleben alleine dank Luft und Liebe und dem Genuss von Freiheit und dem Ausdruck dieser in heterodoxer Musik frönen. Und davon gibt es eine ganze Menge, hier.

By the way ist natürlich auch logisch, dass die hiesisgen viel weniger zögern, ihre Begeisterung auszudrücken, als das der durchschnittliche Automobilist in der Schweiz tun würde.

Aber, für alle durch Autosoziologie gelangweilten, das ganze ist nicht nur wichtig, weil es für so eine Kiste immer überall Platz hat, und immer alle gerne Freunde werden, sondern auch, weil ganz essentielles plötzlich von selbst geht. In Little Rock, Arkansas, war es Zeit, den Service Nummero Uno unterwegs zu machen. Die Verschleissteile hatten wir ja, Godi sei Dank. Wir also zur ersten, und natürlich besten, Bastelei. Also Werkstatt, die nach Handwerk aussah, so Werkstatt halt, wo nicht irgendeine Riesenkette irgendwelche Standardprozeduren durchführt, sondern echte Mechaniker echte Schrauben mit echten Schraubenziehern lösen und anziehen. Gefragt, weil es je heisst, mit solchen Autos, wie unseres eins ist, sei es dann schwierig. Der Mann im Laden sagte «mach ich, muss zuerst den Jeep hier fertig machen, in einer halben Stunde, Stunde, okay?». Wir «gut». Dann haben ein ungefähr 50jähriger polnischer Immigrant, der seit den 90ern in jener Stadt lebt und sein junger Mitarbeiter ein bisschen den Motor gefilmt, den Service gemacht, und hatten eine schlichte Scheissfreude. Uns nebenbei noch angeboten, im klimatisierten unbenutzten Büro zu warten, und uns vor den Schlangen auf dem Hinterhof gewarnt. Als ich dann wegen der Bezahlung fragte, hiess es «hast du so einen pro forma Dollar», ich dann «???????». Der Mechaniker «dass ich einmal den heiligen Gral anfassen durfte, ist mehr als Bezahlung». Und beide dokumentierten den Wagen und unsere Abfahrt. Der grosse verdrückte eine Träne angesichts des für ihn sulbimen Moments. Es war ergreifend.

Soviel dazu. Es ist halt schon schön, wenn man schön ist.

 

Advertisements

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s