Von Wüsten und Gebirgen

Vor einiger Zeit haben wir mal bemerkt, dass hier alles grösser ist als zuhause. Mittlerweile haben wir auch die Ausnahme zu dieser Regel entdeckt. Sie kommt aus der Tierwelt. Nicht von den Eichhörnchen, auch wenn wir von denen hier in der Wüste nun auch klitzekleine zu Gesicht bekommen. Nein. Und dass der Moose unendlich riesig ist, wissen wir ja. Und der Hirsch, der hier Elk heisst, ist auch stattlicher als sein zentraleuropäischer Cousin. Nein. Es sind die Hunde! Natürlich haben wir einen Hund begegnet, dem wir beinahe eine Kreuzung zum Moose zugetraut hätten. Doch der war die Ausnahme. Auf den amerikanischen Campingplätzen dürfte der durchschnittliche Köter etwa das Format der durchschnittlichen Handschuhfächer haben. Schulterhöhe zwanzig Zentimeter. Lautstärke dann wieder wie üblich, also gross.

Dann haben wir, wie immer, einen kleinen Nachtrag. Es ist unglaublich, wie das Erinnerungsvermögen und die Konzentration Opfer des Müssigfahrens werden. Und ich stelle schon wieder fest, wie vieles ich gerne noch geschrieben hätte, das mit aber entfallen ist. Dazu zuerst eine grossartige philosophische Feststellung, zu der wir heute beim durch die Sandsteinbogen eines örtlichen Nationalparks kamen: Der politische korrekte Ausdruck für einen Halbschlauen ist inselbegabt. Und im gleichen Zug haben wir festgestellt, dass der Faktor 2, der dem häufig bemühten «doppelt so» zugrunde liegt, selbst nicht viel ändert, zweimal null ist ja immer noch nichts. Woraus sich dann ergab, dass wer doppelt so schlau ist wie normal, eben immer noch doof ist. Aber das nur am Rande. Hier noch der eigentliche Grund für unsere Begeisterung für Tennessee: Dieser Staat hat mit Abstand die besten Duschen. Und Strassen. Vor allem Strassen. Und dann gibt es da Velowege mit Radfahrern drauf. Bei den grossen Sanddünen haben wir keine Fahrradfahrer getroffen, dafür andere Strassenbenutzer:

Bereits festgestellt haben wir mal, dass hier das meiste so in Extremen läuft. Von Strassen mit 70 Meilen, hier in Utah sogar 80, das gibt dann gefahrene 150 bei uns, und dann dem szenischen Gekrieche haben wir ja schon geschrieben. Nun, hier gibt es Autobahnen, und dann Off-Road. Da stehen sie total drauf, sie haben so eine Art Quat-Bugie-Rasenmäher, mit denen sie dann im Sand herumbrennen. Natürlich Kühlbox dabei. Und dazwischen, also zwischen Autobahn und Off-Road, gibt es nichts, davon ausgehend, dass wir die zerbeulten Autobahnen nicht als das «zwüschdrin» betrachten. Nun, dieselbe Beobachtung gilt für Wanderwege. Wir waren wandern, in den Rockies und hier in der Wüste. Und weil wir zwar kein «Backcountry Hiking Permit» für das seriöse Wandern, so eine Art Flachlandbergführerlizenz, besitzen, aber eben dennoch ein bisschen mehr als die 234 Fuss Fussweg wandern wollen, stellte uns das vor Probleme. Der grosse Wanderweg in den Rockies, Namen vergessen, war eine sicher vier Meter breite Gravelroad. Hätte man mit Ferrari durchgekonnt. Dann Wegweiser und abbiegen. Zweimal einschnaufen und dann waren wir totale Pfadsucher. Leider nicht wirklich Finder. War zwar glatt, den See, zu dem wir wollten, haben wir dann nicht gefunden, aber dafür die Dickhornschafe. War grossartig. Und dann schreiben sie noch so bevormundend «stay on Trail». Ist obersimpel, wenn du den alle fünf Minuten verlierst. Gottseidank haben jene von den Rockies im allgemeinen Regelblatt noch den Beisatz «if provided» angehängt, was uns dann das schlechte Gewissen beim ständigen Verlaufen nahm.

Und dann gibt es eben doch Strassen, die weder Autobahn noch Piste sind. Die haben dann keine Überholspur. Und manchmal Kurven. Da ist es wie in den Alpen mit den Holländern. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Der durchschnittliche Pressierfahrer ist dann eben gleich ein Hösi: Neulich hockte mir fünf Minuten (wahrscheinlich eine halbe Stunde) lang einer auf. Da sagte ich zu der Denise, wahrscheinlich musst du das Steuerrad übernehmen. Ich werde dann im besten Actionfilmstil aus dem Fenster kraxeln, übet unser Dach nach hinten kriechen und mit einem waghalsigen Sprung zum hintern Gefährt, dem sein Steuer übernehmen und mich dann selbst überholen, denn selber wird sich der Gute wohl nie wagen. Denn so Ausstellplätze, wo einer die gezüchtete Schlange vorbeilassen kann, so etwas, man erinnere sich an die schiere Grösse von allem, kommt so alle 40 Meilen mal vor.

Und hier in der Utahischen Wüste ist es nicht besser. Den ersten Part auf der Suche nach diesen Steinbogen ist massiv überlaufen, so jungfraujochlike. Dort kannst du sogar mit diesem «Behindert-o-Mobil das überfette oder alte Amerikaner so brauchen, wenn sie das Auto verlassen» wandern. Kein Ding. Dann, Abzweiger auf den «primitiv Trail». Zwei Mal umdrehen, und dann ist guter Rat teuer. Wir also wieder gefühlte tausendmal den Weg gesucht, und am Ende haben wir viele nette Steine und Steinhaufen gesehen, eine nette Wanderung gemacht, Spass gehabt, uns trockengelegt, aber ob wir das regelkonform und auf dem Weg getan haben, werden wir nie wissen.

Und seit wir uns hier in den touristisch ghipeten Gegenden tummeln, also, eigentlich tummelt uns unser Auto, ist das Gecampe so ein bisschen anders. Im Nationalpark hatte es bereits am Eingang so ein Schild «Campground full». In meiner ungläubigen Art fragte ich dann den Eingangsranger «how seriously full ist he Campground?», worauf dieser dann meinte «man, it’s been overbooked for more than six months!». Aber, wer kann da schon reservieren, so ohne Zeitmaschine, ich fahre schliesslich VW, und nich De Lorien. Aber er ist ja Ranger, und nicht Auto- und Kinokenner. Alternativen haben wir immer gefunden. Dann gibt es auch noch die «First come first serve» Campgrounds. Gute Idee. Gewiefte Geschäftemacher der Gegend haben da dann das Reservierbusiness an sich gerissen. Weil man da reinfährt, einen Zettel nimmt, den mit seinem Namen an einen Pflock heftet und einen Umschlag mit Geld in einen Briefkasten wirft, ist das möglich. Diese warten nun am Morgen in der Früh vor dem Eingang, und sobald einer den Campground verlässt und seinen Zettel abnimmt, reservierten sie. So zumindest unser Verdacht, denn einen freien Platz hat es da noch nie gehabt. Und dann waren wir ein bisschen frustriert, denn für einen einzelnen Camper sind immer Loftgrössen (anderswo erklärt, das sind fahrende Einfamilienhäuser, einfach ohne Keller), eine Feuerstelle, Tisch und Bänke vorgesehen. Für Camper in unserem Format würde es ein Bruchteil tun. Es kann dann schon Mal vorkommen, dass wir den Rudolpfan auf unserer Campingplatzzelle nicht mehr finden, weil er so klein darauf verschwindet. Und manchmal brauchen wir auch das Rollbrett um von unserer Parzelle zur Toilette zu gelangen. Bei privaten Anbietern (in Tennessee, um Happyness bemüht) kann der Rudolpfan schon Mal einen Platz finden dort, wo zwischen zwei Lofts etwas Platz übrig ist, denn er ist gerade Mal so lang, wie jene breit.

Aber, wie das uns so ergeht, haben wir immer Glück und finden immer irgendwo Platz und sind immer irgendwo willkommen. So auch hier. Es hätte auch noch, so 20 Kilometer vor der Stadt, eine Strasse, an der Campen erlaubt ist. Sei aber meistens voll.

Und für all jene, die sich sagen, Utah, der Mormonenstaat, denen sei gesagt «Moab is not that Churchy», das ist so ein Beischild, das hier zu jedem Strassenschild aufgehängt ist. Das Bier, das es heute gab, heisst «Polygamy Porter». Und empfiehlt dem Käufer, den Inhalt grosszügig zu Hause zu allen Durstigen verteilen. Inhaltlich gleicht der Stoff sehr dem Baltic Porter aus der Worber Heimat. Träumen ist Euch natürlich allen erlaubt.

Collage 2018-09-25 22_25_22-576x957.jpg

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s